25. Juli 2008
Tag 3 meiner Radtour.
Morgens um halb zehn in Wittenberge:


Die DDR lebt nicht mehr, die dritte:


10.13 Uhr. Nach meinen leicht traumatischen Erlebnissen vom Vorabend war ich um solche Zeichen dann doch sehr dankbar:

Nicht um die Tatsache, dass es Faschisten gibt, war ich dankbar. Sondern dass es in Brandenburg offenbar auch Leute gibt, die das nicht tolerieren.

10.28 Uhr. Noch immer Wittenberge. Schön sanierte Häuser, nur leider zur Hälfte leer stehend.


10.44 Uhr. Mein erstes Ziel heute: Die Gropius’sche Schollensiedlung.
Hier im Bild eines der wenigen noch unsanierten Häuser mit komplett erhaltenem Stallanbau:

Zufällig waren beim ersten Haus Anwohner auf der Straße. Es entspann sich folgendes Gespräch zwischen mir und einem älterem Ehepaar:
Ich: Guten Tag. Entschuldigung, wohnen Sie hier? Ziemlich feindselige Blicke. Ist das die Siedlung der Gropiusbauten? Beide, schon etwas freundlicher: Ja. Das ist sie. Die Scholle. Ich: Ah, toll. Ich habe eben erst davon gelesen, dass hier in Wittenberge Gropius’ erste Werke stehen und dachte, die gehste dir doch mal anschauen. Er: Das ist alles Murks! Sie: Nich so laut. Ich: Wie, das ist alles Murks? Er: Die Häuser sind alles Murks. Wenn Gropius noch leben würde, würde ich den verklagen. Ich: Da kann ja vielleicht Herr Gropius nichts für. Die Häuser sind doch schon fast hundert Jahre alt. Er: Das ist trotzdem alles Murks. Klein. Kein Keller. Und dieser Stall! Sie: Nu sei doch still. Den jungen Mann interessiert das nicht, was du von unserem Haus hälst. Und die Nachbarn müssen uns auch nicht hören. Er: Sollen sie doch hören. Alles Murks. Ich: Naja, vielleicht muss man bedenken, wie sonst vor hundert Jahren gebaut wurde. Das war doch sehr fortschrittlich. Jedem sein eigenes bezahlbares Häuschen mit Bad und Heizung, wo andere in feuchten Kammern hausen mussten. Er: Ich bleib dabei. Alles Murks!
Immerhin erfuhr ich dann, dass die Häuser von 1910 bis 1913 sind, dass in der DDR die Ställe teilweise zu Wohnraum umgebaut wurden und größere Fenster bekamen, dass das heute aber wegen Denkmalschutzauflagen nicht mehr möglich ist. Das mit den großen Fenstern. Das Tor muss als Tor erkennbar bleiben.
Gegenüber ein saniertes Exemplar:

Hier ist der Stall zu Wohnraum umgebaut und das große Tor zugemauert:

11.02 Uhr. On the road again:

11.39 Uhr. Meine ständigen Begleiter auf dieser Reise:

11.56 Uhr. Elbauen:

12.00 Uhr. Sogar die Pferde fliehen vor der Hitze:

Der Turm ist übrigens einer von ganz vielen noch existenten Grenzsicherungstürmen.
12.03 Uhr:

12.38 Uhr. Der nächste Turm:

12.53 Uhr. Elbdeichidylle:

13.34 Uhr. Stärkung in Mödlich:

14.07 Uhr. Mal wieder Graugänse:

15.29 Uhr. Die DDR lebt nicht mehr, die vierte: Dömitz an der Elbe.


15.59 Uhr. Dorfrepublik Rüterberg. Ein total absurdes Stück DDR-Geschichte.

17.59 Uhr. Westelbische Berge bei Hitzacker:

Als ich das Foto machte, ahnte ich noch nicht, wie schicksalhaft diese Berge für mich an diesem Abend werden würden.
18.05 Uhr. Mikroelbfähre:


18.22 Uhr. Hitzacker an der Elbe empfängt mich mit engen Gassen:

18.24 Uhr. Marktplatz von Hitzacker:

20.56 Uhr. Mein Hotelzimmer im »Hotel Waldfrieden«:

21.13 Uhr. Blick vom Hotel auf die Elbe und die nicht mehr verkehrende Fähre:

Fortsetzung