27. Dezember 2008, 18 Uhr

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Heute Nacht war ich mal wieder aus. In der Berghain-Kantine (bzw. Cuntine, wie sie sich zu manchen Anlässen nennt). Zu den Pet Shop Bears. Gefeiert wurde auch die 25. Ausgabe des Butt Magazines. Tolle Nacht. Ich geh ja nur noch selten aus. Aber wenn, dann denke ich jedesmal, wie toll es ist, gerade jetzt gerade in Berlin zu leben. Berlin ist toll!

Passend dazu fand ich vor ein paar Tagen einen zwei Wochen alten Artikel in der Berliner Zeitung von Marcus Weingärtner:

»In regelmäßigen Abständen erzeugt die schwule Gemeinschaft einen neuen Look, ein neues ›must-have‹ für den urbanen Homosexuellen. Nachdem die 70er und 80er vom Lederlook eines Tom-of-Finland geprägt waren und die 90er im Zeichen gleichgeschlechtlich schmusender Skinheads standen, sind seit geraumer Zeit Bären die schwulen Stars der Stunde. Bären? Bären! So werden kräftig bis sehr dicke Männer bezeichnet, die mit Vollbärten und Karohemd aussehen, als ob sie aus der Sägemühle der TV-Serie ›Unsere kleine Farm‹ herausgetreten wären, um es an den Clubtheken der Großstadt krachen zu lassen.

Die Partyreihe ›Pet Shop Bears‹ in einem Nebenraum des Berghain mit dem treffsicher geschmacklosen Namen Cuntine ist ein Abend für Bären und ihre dünneren Brüder, die sich frei jeder Ironie auch Otter nennen. Überraschenderweise hat dieser Freitagabend aber nichts Schubladenhaftes, Geregeltes. Im Gegenteil: 300 Männer und vielleicht fünf Frauen aller Altersgruppen und in allerlei Outfits – auch ganz bären- oder otterfern – verleihen der Party eine ausgelassen vergnügte und flirtwillige Atmosphäre, dass es schon schmerzt.

Dicker DJ, sprich zu uns!!!‹ brüllt neben uns ein vielleicht 25-Jähriger in Röhrenjeans, während er auf einem Barhocker balanciert, in einer Hand zwei brennende Zigaretten, in der anderen ein Glas Gin-Tonic, so groß, dass es für den Abend reichen sollte. ›Ihr sollt euch alle liebhaben‹ erwidert der Mann hinterm DJ-Pult und die Menge johlt, während aus den Boxen ›Happy Station‹ dröhnt, ein Italo-Tanzbodenklopper aus den 80ern. Uns tropft der Gin-Tonic des Jungen ins Hemd, eine Gruppe skandinavischer Touristen schiebt uns in einen Pulk wild tanzender Jung-Bären, während der DJ härteren Elektro auflegt. Ein perfekter Abend.

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Wer war da: Bären, Otter, fünf Frauen und alle in Feierlaune.
Was lief: Pop und Elektronik mit Carsten Meyer von Erobique.
Wie teuer war’s: Eintritt: 7 Euro, Gin-Tonic: 5 Euro.

Pet Shop Bears: Cuntine/Berghain, Am Wriezener Bahnhof.
Nächster Termin: 26. Dezember.«

Quelle: Berliner Zeitung vom 11. Dezember 2008

Ein perfekter Abend war es auch gestern heute Nacht, wie es Herr Weingärtner schon beschrieb. Mit zwei Flaschen Beck’s und vier Flaschen Club-Mate. Meinen Vollbart trage ich übrigens schon seit mindestens 2003. Meine Karohemden habe ich beim letzten Umzug dem Rotkreuzkleidercontainer überantwortet. Und – zum Thema Flirtfaktor – ich hätte gestern zehn Männer haben können, sagte Herr N. – ich wollte aber keinen und nahm mal wieder Herrn N. mit nach Hause.