»Ick zeig Sie an!«
7. Februar 2009, 19.30 Uhr
Ich komme vom Einkauf nach Hause, mit mir betritt meine Etagennachbarin das Haus, die schon seit drei Jahren nicht auf mein Grüßen reagiert. Ich grüße sie trotzdem weiter. Wir stehen zusammen an der Briefkastenanlage, sie nimmt Werbung aus ihren Briefkasten, schmeißt diese auf die Briefkastenanlage, darauf entspinnt sich folgender »Dialog«:
»Entschuldigung, da drüben hängt ein Mülleimer.«
Keine Reaktion, meine Nachbarin, Typ Hildegard Knef, aber mit deutlich mehr Verhärmtheit um den Mund, immer extrem uffjedonnert, schätzungsweise Ende Fünfzig, immer mit Sonnenbrille im Gesicht, immer mit extrem hochhackigen Schuhen, macht drei Schritt von ihrem noch offenen Briefkasten zurück, schaut demonstrativ von mir weg, lässt ihren Müll aber liegen.
»Entschuldigung, ich meinte Sie. Könnten Sie vielleicht Ihren Müll in den Mülleimer werfen?«
Deutliche Hysterie in der Stimme. »Ick zeig Sie an, wenn Sie mir noch einmal ansprechen.«
»Das können wir sofort machen. Ich hab mein Telefon dabei. Soll ich die Polizei rufen?«
Sich überschlagende Stimme. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«
»Ich will, dass Sie ihren Müll hier nicht rumschmeißen.«
Kurz vorm Überschnappen und von der Lautstärke her schon eher schreiend. »Lassen Sie mich in Ruhe. Sprechen Sie mich nie wieder an. Ick zeig Sie sonst an.«
Ich hab sie dann in Ruhe gelassen. Und bin alleine mit dem Aufzug nach oben gefahren. Denn sie blieb in großem Sicherheitsabstand und gab mir nicht einmal ansatzweise zu verstehen, dass sie gerne den Aufzug mit mir teilen wollte.
07 Feb 2009 Achim Bodewig





Jeden Tag eine gute Tat!
Muss das nicht “Ick zeige IHNEN an” heißen? Fragen Sie die Nachbarin doch mal!
ob das wohl als tatbestand angenommen wird?
es gibt überall komische leute…
Ist das wirklich eine normale Plattebauwohnanlage? Guck doch mal, ob da unten im Eingang ein Pförtner sitzt… Stehen in den Fluren auf den Etagen auch Wägelchen mit Bettwäsche, Medikamenten und Essen? Denn dann macht das Verhalten Deiner “Mitbewohnerin” auch Sinn. Nur Du – Du musst dann schnell da raus! :-)
wenn ich gefragt werde, was für leute bei mir im haus wohnen, sage ich immer, dass ich es als ganz angenehme mischung aus – wie ich sie nenne – alten sed-säcken und jungen oder so halbalten leuten wie mir empfinde. aber meine lieblingsnachbarin hat glaube ich wirklich einfach nen ordentlichen hau weg. vermutlich eine besonders stark ausgeprägte form von sozialphobie. was ja okay ist. aber man könnte trotzdem grüßen und muss vor allem nicht seinen müll im hausflur liegen lassen. ich bin auf die nächste begegnung mit der dame gespannt.
Es kann gar nicht anders sein – es muß sich um eine alternde Schauspielerin handeln. Kein Zweifel. Nur – um wen?
Angelika Milster kann’s nicht sein, die wohnt bei mir um die Ecke in der Salzburger. Es sei denn, sie hat noch eine Zweitwohnung. Aber die Beschreibung passt irgendwie schon. Nur das Frau Milster immer sehr freundlich ist.