5. März 2009, 13.41 Uhr

Bin ich ein Spießer? Bin ich ein Rechtschreibversessener? Ein Dudenfetischist? Womöglich sogar ein Orthografiefaschist? Wenn mich so etwas aufregt? Wenn ich denke, dass es so etwas nicht geben darf?

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Ich schrieb hier schon an anderer Stelle, dass es mir ziemlich egal ist, wie richtig oder wie falsch Leute in ihrer Privatkorrespondenz schreiben. Von mir aus auch in ihren weltweit zugänglichen Blogs. Wenn aber weltweit operierende Unternehmen es sich nicht leisten können oder wollen, ein Werbeplakat mit zehn (!!) Worten bzw. Zahlen von einem professionellen Lektor oder wenigstens drei verschiedenen Leuten in der beauftragten Agentur, die erwiesenermaßen der deutschen Rechtschreibung mächtig sind, gegenlesen zu lassen, bevor sie die Republik damit zukleistern, fehlt mir echt komplett das Verständnis. Vor allem nicht bei einer Firma namens smart. »Smart« ist englisch und bedeutet »schlau« oder »pfiffig«.

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Als Kind fand ich mal in einer Tageszeitung einen Satzfehler. Ich war noch auf der Grundschule, also höchstens in der vierten Klasse. Damals war eine Tageszeitung noch etwas Heiliges für mich. Ich dachte, alle, die für eine Zeitung arbeiten, machten keine Fehler. Leute, die fürs Schreiben bezahlt werden, müssten das Schreiben auch beherrschen. Fehlerfrei. In meiner kindlichen Logik dachte ich damals, ich müsse den Artikel mit dem Fehler ausschneiden und aufheben für den Fall, dass mir einmal in einem Diktat oder einem Aufsatz dieser Fehler unterliefe. Dann könnte ich meiner Lehrerin diesen fehlerhaften Artikel zeigen und sagen, wenn die das falsch schreiben dürfen, dann darf ich das doch auch.

Wenn sich Kinder heute Werbung oder auch Zeitschriften und Zeitungen als Maßstab für ihre Orthografie nehmen, dürfte es nur noch Einsen und Zweien im Fach Deutsch geben. Was einem da manchmal für grottenschlechte und fehlerstrotzende Texte und für ein Kauderwelsch vorgesetzt wird, ist doch unglaublich. Warum gibt es keine Rechtschreibprüfbehörde? Alles wird in Deutschland geprüft und reglementiert. Jeder, der eine Gaststätte aufmacht, muss damit rechnen, dass das Gesundheitsamt vorbeischaut. Warum gibt es keine staatliche Stelle, die öffentlich zugängliche Schriftstücke, also Werbung, Ladenbeschriftungen oder eben auch Presseerzeugnisse, zumindest stichprobenartig prüft und gegebenenfalls Rügen erteilt?

Jetzt noch einmal die Frage: Bin ich kleinkariert?

P.S. Wer die Fehler nicht findet: Die korrekte Schreibweise müsste lauten:

Das einzige
2,69-m-
Stadtauto.

Willkommen in der smart-Klasse.

Es fehlen also drei Koppelungsstriche. Es heißt ja schließlich auch nicht »Schul Kind« oder »Haus Tür Schlüssel«.