13 Minuten zum Gleis 13
22. April 2009, 15 Uhr
Eigentlich wollte ich nun im Zug sitzen. Eigentlich. Wie ich es ja so gerne mache, bin ich auch heute wieder auf den letzten Drücker aus dem Haus gegangen. Mit dem Rad zum Hauptbahnhof. Dreizehn Minuten hatte ich Zeit von der Fischerinsel bis Abfahrt des Zuges. Äußerst ambitioniert, ich weiß. Mir schwante schon Böses, als ich in der Luisenstraße einen ICE Richtung Hauptbahnhof fahren sah. Das sollte mein Zug sein. Noch sieben Minuten bis Abfahrt. Ich bin dann tatsächlich am Bahnsteig angekommen, als der Zug dort noch stand. Ich sah beim Hochhetzen von der Treppe aus die Zugtüren schließen, der Sekundenzeiger der Bahnsteiguhr zeigte noch nicht die Abfahrtszeit an, die Türen ließen sich nicht mehr öffnen, der ICE 691 stand noch einige Sekunden am Bahnsteig, um dann pünktlich mit dem Umspringen des Sekundenzeigers auf die 12 von Gleis 13 abzufahren. Ohne mich. Super.
Ein Zugabfertiger (der mein Unglück mitbekam) konnte oder wollte nichts tun. Der schickte mich mit meinem Ticket mit Zugbindung (ich hatte tatsächlich das erste Mal in meiner vieljährigen Bahnfahrerkarriere ein Ticket zum Sparpreis 50 bekommen) zu seinen KollegInnen im Reisezentrum – pardon, ReiseZentrum. Dort zeigte man sich extrem unkulant. »Sie müssen die Differenz zum Normalpreis bezahlen plus 15 Euro.« Super. Der Normalpreis für eine Fahrt nach Hanau – dort wollte ich nämlich hin – beträgt mit BahnCard etwa 60 Euro. Ich sollte nun 50 bezahlen. Mein Einwand, dass der Zug mit dem Umspringen des Sekundenzeigers losfuhr und vorher mit verschlossenen Türen für mich nicht mehr betretbar war, wurde mit einem schnippischen »Naja, der Zug ist eben pünktlich abgefahren. Da hätten Sie wohl etwas früher kommen müssen« quittiert.
Die Bahn kann mich mal. Wie oft sind meine Züge einige Minuten zu spät angekommen? Wie oft habe ich in den letzten Jahren einen Anschlusszug verpasst? Ich dachte immer, es ist kein Drama, kann ja mal passieren, ich mach da jetzt keinen Stress. Hätte ich von der Bahn für jede Minute Verspätung 50 Euro kassieren können, wäre ich jetzt ein reicher Mann.
Wenn man aber – zugegeben äußerst knapp, aber doch pünktlich – am Zug steht und der die Türen verrammelt hat und die Bahn und ihre Angestellten dann zu kein bisschen Kulanz bereit sind, dann fange auch ich an, diesen Verein zu hassen.
Aus Wut und Protest fahre ich jetzt morgen nicht mit dem Unternehmen Deutsche Bahn, sondern mit einer Mitfahrgelegenheit. Übrigens für zwanzig Euro. Wenn das kein Desaster wird (Raucher, Raser, Quasselstrippe oder ähnliches), hat die Deutsche Bahn mich wohl als treuen Kunden verloren. Und nächste Woche bekommt sie die Kündigung für meine BahnCard.
22 Apr 2009 Achim Bodewig





Echt Pech!
Was ich mich gefragt habe: Was machst Du mit Deinem Fahrrad? Am Bahnhof stehen lassen? Denn mitnehmen geht ja im ICE nicht.
ja. das schließe ich immer am bahnhof an. ich hab ein gutes rad. und ein gutes schloss. ich zittere immer ein wenig, wenn ich von meinen reisen zurückkomme, aber offenbar helfen a) die installierten videokameras und b) die taxen an dem fahrradabstellplatz vorm bahnhof die fahrraddiebe ab.
mit der bvg ist mir das echt zu mühsam. und in 13 minuten auch nicht zu schaffen … ;-) … mit ner taxe bin ich auch nicht schneller.
Wer nicht kommt zur rechten Zeit…
aber ich kam doch zur rechten zeit. sehr knapp zwar, aber ich war um 13:36:45 uhr auf dem bahnsteig und habe um 13:36:50 den türöffnungsknopf gedrückt für einen zug, der um 13:37:00 abfahren sollte. geschissen auf den abgefahrenen zug. mich hat dieses verhalten der tussen am schalter der bahn total verärgert. hätten die gesagt, gut, zahlen sie die 15 euro umbuchungsgebühr, hätte ich mich in den nächsten zug gesetzt und hier ein loblied auf die deutsche bahn angestimmt.
wer weiß, wofür es gut war. vielleicht wäre diesmal mein fahrrad geklaut worden. außerdem hatte ich das netzteil meines macbooks vergessen. im zug wollte ich arbeiten, das wäre mit einem fast leeren akku nicht gegangen und in süddeutschland hätte ich mich mit meiner schwester immer um das ladekabel ihres macbooks schlagen müssen … ;-)
Wenn ich das Sytem “Abfahrzeiten” richtig verstanden habe, dann handelt es sich hierbei um den Zeitpunkt, an dem der Zug tatsächlich losfärt?!
Sonst würde es doch auch “Türöffnungszeiten” heißen, oder… ;-)
Ich hoffe, dass du mit deiner Mitfahrgelegenheit für heute verbindliche Unterscheidungen zwischen Abfahr- und Türöffnungszeiten getroffen hast.
Und wünsche dir natürlich einen schicken, nichtrauchenden und apple-begeisterten nd_baumecker-Fan als Fahrer!
Gute Reise, Herr Bodewig
Und überhaupt – was machst Du in Hanau?!
Wie wär’s mit einem kleinen Abstecher :-)
Wusste gar nicht wie Kleinlich Du sein kannst. Jetzt fährt der Zug schon mal pünktlich…
Wenn sich die Türen erst um 13:37:00 geschlossen hätten, wäre der Zug mit Verspätung losgefahren. Jetzt hast Du die Nacht im Auto verbracht. Auch nicht so Toll.