28. Juli 2009

Falls sich schon einmal jemand gefragt hat, wie ich als westsozialisiertes Wohlstandskind eigentlich so ein großer Freund von Ost-Plattenbauten werden konnte, hier die Erklärung:

Meinen ersten DDR-Plattenbau habe ich im Winter 1988 betreten. Das war irgendwo in Marzahn. Damals war ich – gelinde gesagt – irritiert über das, was ich sah. Rumpelige Aufzüge, Blümchentapeten in den Hausfluren, Badezimmer mit nur einer gemeinsamen Mischarmatur für Handwaschbecken und Badewanne, grauenhafte Außenanlagen, die eigentlich nur aus Matsch bestanden. Ich fragte mich, warum die Arbeiter und Bauern der Deutschen Demokratischen Republik so scharf darauf waren, in genau diese Wohnungen zu ziehen.

Anfang der Neunzigerjahre habe ich dann mal eine Nacht in einem Hochhaus ziemlich oben in der Alexanderstraße verbracht (ich würde mal kühn behaupten, das war sogar die Wohnung, in der Szenen aus »Coming Out« gedreht wurden). Man konnte auf den Fernsehturm schauen, auf die damals noch unbebaute »Banane« zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz, die S-Bahn fuhr wie eine Modelleisenbahn unten vorbei und ich fand zumindest den Ausblick sehr charmant.

Hier eine Aufnahme von Juli 2004:

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Gestern nun war ich mal wieder in der Wohnung, in der meine Liebe zu Plattenbauten so richtig begann. In der »Schlange« am Platz der Vereinten Nationen.

20.01 Uhr:

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Blick vom Balkon der elften Etage Richtung Südosten.

20.04 Uhr:

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Blick von der Dachterrasse auf der zwölften Etage Richtung Westen.

Sind das nicht tolle Ausblicke? In dieser Wohnung und auf dieser Dachterrasse verbrachte ab Juli 2004 zwei Sommer. Bis einer der zwei dortigen Bewohner auszog. Auf die Fischerinsel. Seit 2004 finde ich Plattenbauten jedenfalls richtig toll. Und seit Herbst 2005 habe ich meine eigene Plattenbauwohnung. Der andere Bewohner vom Platz der Vereinten Nationen wohnt übrigens dort noch. Den habe ich mit dem Ex-Bewohner gestern besucht.