Die Jugend von heute
23. August 2009, 19 Uhr
Vor einer Woche war ich im Rheinland. Familientreffen. Meine drei Schwestern und ich. Plus Kinder und deren Freunde bzw. Freundinnen. Vierzehn Jugendliche oder junge Erwachsene um mich herum. Ich denke jedesmal, wenn ich meine Neffen und Nichten treffe, dass ich sie alle toll finde. Dass es um die Zukunft unseres Landes nicht so schlimm bestellt sein kann. Bei DER Jugend.
Nun sitze ich im Regionalexpress nach Stralsund. Um mich herum zehn junge Männer. Dem Gepäck nach zu urteilen sind es Wehrdienstpflichtige auf ihrem Weg zur Kaserne. Total schlimm. Es fing damit an, dass sie in einem relativ vollen Zug die Klappsitze im Fahrradabteil besetzt hatten und keiner von ihnen auf die Idee kam, mir mit meinem Fahrrad Platz zu machen. Ich widerum blockierte mit dem Rad den Gang. Ich guckte sie alle an und dachte, mal sehen, ob wer aufsteht. Nichts passierte. Erst als ich sagte, ich bleib nicht bis zur Ostsee hier im Gang stehen und halte mein Rad fest, standen zwei von den ursprünglich zwölf Jungs auf.
Es wird Bier getrunken und verschüttet. Gerülpst. Gegessen und der Müll auf den Boden geschmissen. Der halbe Zug mit scheppernder Musik aus einem Laptop beschallt. Rumgeprollt. Die Taschen nicht aus dem Weg genommen, wenn jemand durchlaufen möchte. Jetzt auch noch gesungen. Kurz: rücksichtsloses und egomanes Verhalten an den Tag gelegt. Es ist ganz schön schlimm bestellt um die Zukunft unseres Landes bei DIESER Jugend.
23 Aug 2009 Achim Bodewig




