30. Oktober 2009, 13.08 Uhr

Laut Fahrplan fährt er in zwei Minuten ab. Der Schmalspurzug, in dem ich jetzt sitze. Unterwegs, noch im normalspurigen Zug zwischen Sofia und Septemvri, bekam ich schon eine Ahnung davon, was mich auf den nächsten 100 Kilometern (und fast fünf Stunden) erwarten wird: Berge, bunte Laubwälder, Nebel und leider auch viel Regen. Aber ab morgen soll die Sonne wieder scheinen. Drei Tage lang.

Der Zug hat such in Bewegung gesetzt. Wenn es viel ist, fährt er 40 km/h. Eher nur 30.

Schon im Zug von Sofia habe ich Reisebekanntschaft geschlossen. Bzw. sie mit mir. Ein junges Mädel, das in den Bergen wohnt. In Velingrad. Also auch mit mir mit der Schmalspubahn fährt.

In Septemvri hatten wir 40 Minuten Aufenthalt, sie fragte, ob wir Kaffee trinken wollten. Wollte ich. Ein bisschen Smalltalk. Wo ich herkomme, warum ich ausgerechnet nach Bulgarien reise, wie alt ich sei. Das mit den 43 Jahren wollte sie mir gar nicht glauben. Sie meinte, sie hätte mich auf 25 geschätzt. Sehr schön. Aber auch kein Wunder, wenn man sich die verlebten und verknitterten Menschen hier so ansieht. Raucher, lasst das Rauchen sein!

Noch drei Sätze zur Spurweite: Bosnische Spur nennt man Bahnen mit einer Spurweite von 760 mm. Normalspur sind in Mitteleuropa 1435 mm, in Spanien, Portugal und in der ehemaligen UdSSR sind es mehr. Schmalspurbahnen in Deutschland haben meist 1000 mm, manche auch 750. Diese 760 mm sind auf dem Balkan sehr verbreitet. Und in Österreich.

So, jetzt geh ich ein bisschen Fotos von der offenen Plattform des Wagens machen.