2. April 2010, 18 Uhr

Meine Tante liegt krank im Hotelbett. Das Essen gestern scheint ihr nicht bekommen zu haben. Heute Nacht gab es für sie Brechen und Dünnpfiff. Die Arme. Trotzdem sind wir heute Vormittag ins Café New York gefahren, angeblich das schönste Kaffeehaus der Welt. Danach bat Tante, wieder ins Hotel gebracht zu werden, wo sie sich jetzt hoffentlich bei Tee und Zwieback erholt.

Ich bin heute Nachmittag alleine durch die Erzsébetváros (Elisabethstadt) marschiert. Alte Bausubstanz, zum größten Teil noch unsaniert. Plätze, die aussehen wie Prenzlauer-Berg-Plätze, bevor diese von schwäbischen Spießer-Yuppies okkupiert wurden. Erinnert sich noch jemand daran, wie es dort bis 1995 und in Friedrichshain bis 2000 aussah, bevor alles totsaniert und mit Schickimicki-Cafés zugepflastert wurde? So schaut die Budapester Elisabethstadt heute aus.

Jetzt sitze ich im Szimpla, einer Kneipe, die – wen wundert es – sehr an die ersten illegalen oder halblegalen Kneipen im Osten kurz nach Mauerfall erinnert. Sehr schön. Ich fühle mich wohl.

Das Viertel ist übrigens auch das jüdische Viertel der Stadt. Sehr viele Synagogen sowie koschere Restaurants und Läden gibt es hier. Rabbiner laufen auf der Straße herum. Alles ohne offensichtliche Sucherheitsmaßnahmen, wie ich sie aus Berlin kenne. In Berlin war das auch mal “normal”, dieses jüdische Leben. Blöde Nazibande!

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