4. April 2010, 0.30 Uhr

Wer mich kennt, weiß, dass ich für die schwule Subkultur nicht besonders viel übrig habe. Meist zu viel Selbstverliebtheit, zu wenig Authentizität. Hierin gibt es offenbar wenig Unterschiede zwischen der Berliner und der Budapester Homoszene. Ich bin jetzt beim dritten Bier (es gibt doch einheimisches), so langsam beginnt alles eine bizarr-lustige Note (trotz der schlechten Musik) zu bekommen, die ich ganz amüsant finde. In Berlin geht gerade das große Snax-Gerenne los, hier beginnt das Coxx-Gerenne. Die zwei einzigen Typen, die ich ganz schnuckelig fand (zwei der wenigen mit Vollbart – so weit geht die europäische Einigung dann offenbar noch nicht), sind leider gemeinsam abgezogen. So bleibt mir der Blick auf den Rest: hektisch Kaugummi kauende Schönlinge, die ihr Selbstbewusstsein zu Hause vergessen haben. Touristen, die einen auf dicken Maxen machen. Betrunkene Einheimische, die traurig auf ihren Barhockern sitzen. Und ein aus Berlin Verirrter mit nem iPod in der Hand. Auf dem Barhocker neben mir ein Typ, den ich gestern beim Italiener sah und bei dem ich an Marlene Dietrich denken musste: “wenn der nicht homosexuell ist, fress ich meinen besten Hut”. Ich glaube, ich trinke noch ein Bier und geh nach Hause. Betrunken kann man das ganz gut ertragen.

0.55 Uhr: Jetzt sitzt ein Rob-Berlin-T-Shirt samt weiß beschnürsenkelten 48-oder-wieviel-auch-immer-Loch-Stiefeln vor mir. Schwule sind doof. Auf der ganzen Welt.

1.00 Uhr: Auf den Fernseher wird ein Typ aus München, dessen Gesicht ich von gayromeo kenne, angestrullt.