27. Juni 2010, 17.40 Uhr

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Vorhin am Strand hätte ich vielleicht mal nicht so vorlaut sein sollen. Hätte ich geahnt, was auf mich zukommt, hätte ich nicht geschrieben, dass ich neidisch auf mich wäre. Zumindest nicht auf den Zustand der Strecke zwischen Rowe (Rowy) und Groß Garde (Gardna Wielka) und dessen Auswirkung auf meinen Hintern und meine Bandscheiben. Ich wurde auf acht Kilometern dermaßen durchgeschüttelt, dass ich mich gar nicht mehr auf den Sattel setzen wollte. Aber nur im Stehen kann ich auch nicht fahren.

Dass ich in Groß Garde (Gardna Wielka) gelandet bin, war gar nicht geplant. Ich hätte im Slowinzischen Nationalpark irgendwann mal mitten in der Heide abbiegen müssen. Nach dem Gehoppel war ich froh, aus dem Park heraus am Horizont eine Kirche entdeckt zu haben, dachte, wunderbar, da kommt wieder Zivilisation, also dorthin. Das Dorf ist wieder ganz süß. Da es mir auf der Karte in seiner Lage am Garder See (Jezioro Gardno) anders erschien als das Dorf Schmolsin (Smołdzino), in dem ich eigentlich hätte landen sollen, ging ich eben eine alte Frau fragen, die auf einer Bank vor einem Haus sitzt. Dzień dobry. Jak nazywe się ta miejscowość? Das heißt Guten Tag, wie heißt dieser Ort? Zur Unterstützung legte ich ihr das Fahrradroutenbuch vor, das neben ganzseiten Kartenausschnitten auch kleine Abbildungen enthält. Die Frau fing dann an, in dem Buch rumzublättern, auf die Bilder zu zeigen und mir irgendwas zu erzählen. Verstanden habe ich natürlich nichts. Ich bedankte mich und zog von dannen.

Im Dorfladen (zu den polnischen Tante-Emma-Läden muss ich demnächst noch etwas mehr schreiben) habe ich dann erfahren, wo ich bin – nämlich falsch – und kaufte mir zur Abendverpflegung dafür ein kaltes Bier.

Der Dorfkaufmann war ausgesucht hilfsbereit und sprach ein bisschen deutsch (wie hier überhaupt fast alle eher deutsch sprechen denn englisch).