11. Juli 2010, 23 Uhr

Diese Stadt Elbing (Elbląg) hat alles: Eine am Sonntagabend um elf Uhr nicht verkehrende Straßenbahn, eine teilweise abgeschaltete innerstädtische Straßenbeleuchtung, eine nicht mehr vorhandene historische Innenstadt, ganz viele halbfertige Neubauten im Zentrum, kein geöffnetes Restaurant (von zwei Dönerbuden und einem hochpreisigen Spanier abgesehen), eine ausgestorbene Fußgängerzone, eine vierspurige “Prachtstraße” mit Plattenbauten und ohne Verkehr, ganz viele geschlossene Bars, eine geöffnete Bar ohne Küche, aber mit gekühlten Żywiec im Angebot und mit großen historischen Fotos an den Wänden, damit jeder sieht, wie schön diese Stadt wohl einmal war.

Sehr komisch, der erste abendliche Eindruck von Elbing (Elbląg). Wo sind denn bitte die 120.000 Einwohner abgeblieben in dieser tropischen Sommernacht? In einer halben Stunde Rumgekurve durch die Innenstadt sind mir maximal zwei Dutzend Menschen begegnet. Sind die alle an der Ostsee? Oder schon im Bett? Hab ich die Evakuierung der Gegend wegen eines kollabierten russischen Kernkraftwerks verpasst? Oder liegt’s am Fußball-WM-Endspiel?

Wirklich ganz seltsam, die Stimmung hier. Ich bin mal gespannt, wie sich das morgen früh präsentiert.

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