12. Juli 2010, 20.20 Uhr

Jetzt bin ich vierundzwanzig Stunden in Elbing (Elbląg). Mein erster Eindruck gestern Abend war nicht besonders freundlich. Aber Elbing (Elbląg) macht es einem auch nicht leicht.

Mein zweiter Eindruck: Elbing (Elbląg) ist wahrlich keine schöne Stadt, aber sie hat Charme. Die Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf sechs (!!) Gebäude von der Roten Armee komplett zerstört. Ich weiß nicht, in welchem Zustand der Dom den Krieg überstanden hat, er ist nun zumindest äußerlich in guter Verfassung. Um den Dom wurden beziehungsweise werden neue Gebäude errichtet, die im Stil, in den Proportionen und den Abmessungen den Gebäuden entsprechen, die hier wohl vor dem Zweiten Weltkrieg standen. Also diese typische norddeutsche Hansearchitektur, die man aus Lübeck oder Danzig (Gdańsk) kennt.

Das sind keine originalgetreuen Nachbauten der alten Bausubstanz, eher ein klein bisschen Disney World, was ich aber in Ordnung finde. Ich muss mal noch herausbekommen, was an den Stellen vor etwa zehn Jahren stand, wo heute gebaut wird. Ob da Nachkriegsbauten abgerissen wurden? Oder ob da in den letzten sechzig Jahren einfach nichts war?

Auf dem Rückweg vom Freibad bin ich durch eine ganz hübsche Villengegend gefahren. Die endet aber ziemlich jäh an einer »sozialistischen« Straße.

Es schaut so aus, als seien sich die Elbinger ihrer architektonischen Geschichte und Schönheit bewusst und als würden sie diese nun zu bewahren oder zu pflegen beginnen.

Die Innenstadt rund um den Dom sieht noch etwas traurig aus, aber ich schätze, dass die Stadt in fünf Jahren einen ganz ansehnlichen Innenstadtkern wiedererhalten könnte.

Würde ich hier leben, wäre ich wahrscheinlich die ganze Zeit damit beschäftigt, diese bauliche Veränderung zu dokumentieren. Ich hoffe, es übernimmt hier vor Ort jemand anders. Analog zu meiner Berlin-Website.

Heute hatte ich keine so große Lust, Fotos zu machen. Ich denke, das werde ich morgen tun.

Die Straßenbahn sah ich übrigens fahren: meterspurig. Es waren auch Menschen auf den Straßen. Ob in zwei Stunden wieder die halbe Stadt im Dunkeln verschwindet, wird sich noch zeigen.

Gegessen habe ich heute ganz ausgezeichnet. Im beziehungsweise vor dem Pensjonat MF (deren Website hat ganz schöne Panoramaansichten der Straße, in der ich gerade sitze) – wofür das »MF« auch immer stehen mag. Mitten in der neuen Altstadt. Etwas gehobener Standard und auch gehobene Preise. Aber lecker war es. Ich glaube, ich bestelle mir hier gleich noch ein drittes Bier und sorge für etwas mehr Bilderfutter in meinem Blog.