13. Juli 2010, 17 Uhr

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Auf meiner nun doch schon dreiwöchigen Reise durch den den Norden der »ehemaligen Ostgebiete« habe ich unglaublich viel gesehen und dazu auch noch sehr viel Zeit gehabt, über das Erlebte nachzudenken.

Elbing (Elbląg) kannte ich bisher nicht. Ich hatte mich auch nie mit der Stadt und ihrer Geschichte beschäftigt.

Meinen ersten Eindruck schrieb ich bereits vor drei Tagen hier nieder. Der Text war nicht besonders freundlich für die Stadt. Als ich ihn schrieb, war mir natürlich schon bewusst, dass sich Elbing (Elbląg) und seine Bewohner diesen Zustand nicht freiwillig gewünscht haben.

Als ich nun heute das erste Mal ganz bewusst und mit der Kamera durch die – man muss es so sagen – ehemalige Altstadt fuhr, mich vorher ein bisschen über die Geschichte belesen hatte, bekam ich wieder dieses Gefühl der Ohnmacht auf der einen Seite und des Hasses auf der anderen Seite. Diese beschissenen Nazis! Dieser total bekloppte Adolf Hitler! Es ist so unfassbar, was dieser Mann, seine Schergen und auch sein bescheuertes Volk diesem Kontinent angetan haben.

Da sind diese menschlichen Tragödien, die sich hier vor fünfundsechzig Jahren abgespielt haben müssen. Die Stadt wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als eh schon alles verloren war, zwei Wochen lang »verteidigt« und während dieser zwei Wochen von der Roten Armee dem Erdboden gleich gemacht.

Und dieser Verlust von historischer Bausubstanz! Ganze sechs Gebäude in der Altstadt haben diese zwei Wochen überstanden. An noch keinem Ort ist mir das Maß an Verwüstung und Zerstörung durch Krieg bewusst geworden wie hier.

In Danzig (Gdańsk) steht man auf der Langgasse (ulica Długa) und dem Langen Markt (Długi Targ) und weiß, dass all die schönen »alten« Gebäude gar nicht alt sind, sondern erst vor fünfzig Jahren wieder aufgebaut wurden. Hier in Elbing (Elbląg) sieht man es. Man kann die Wunden des Krieges auch siebzig Jahre nach Kriegsende noch deutlich erkennen. Alte Kopfsteinpflasterstraßen, die durch Baustellen mit Betonwänden führen. Rekonstruierte Häuser, die auf alten Kellergewölben errichtet wurden. Abgebrochene Häuserkanten, die noch Brandspuren aufweisen.

Diese Stadt muss wunderschön gewesen sein. Heute ist sie eher unstrukturiert. Das alte Zentrum noch nicht wieder ganz aufgebaut, drumherum noch viel Brachfläche, die Außenbezirke merkwürdig zersiedelt, die Plattenbauten hässlich, wie meist im ehemaligen Ostblock.

Eben im Markttor (Brama Targowa) hatte ich ein dickes Fotobuch in den Händen mit Fotografien der Stadt um 1900. Eine totale Pracht. Es muss hier ähnlich schön gewesen sein wie wir Danzig (Gdańsk) heute kennen. Mich macht das total traurig. Und eben auch total wütend.

Ich glaube, ich schrieb es hier in meinem Blog schon einmal: Ich würde mir wünschen, Adolf Hitler wäre nicht tot, sondern man hätte eine Möglichkeit gefunden, ihn unsterblich zu machen und jeder, der ihm eins in die Fresse hauen will, darf das tun. Jederzeit. Ich glaube, der Mann hätte ständig eine Faust im Gesicht. Ich habe gerade total Lust, ihn zu verprügeln. Oder ihm zumindest ins Gesicht zu spucken.