14. Juli 2010, 19.45 Uhr

Mit Braunsberg (Braniewo) habe ich den östlichsten Ort meiner Radtour erreicht. Seit zehn Minuten bin ich in dem Zug nach Zoppot (Sopot), der in fünf Minuten losfahren wird.

Dieser Bahnhof ist riesig. Sowohl das Empfangsgebäude als auch die Gleisanlagen. Den größten Teil davon kann ich nur erahnen. Vermutlich Umspuranlagen und ein zusätzlicher Bahnhof in russischer Breitspur.

Der nächste Bahnhof im Nordosten ist etwa zwölf Kilometer entfernt, Heiligenbeil (Мамоново), der liegt bereits in Russland, in der Oblast Kaliningrad.

Auf dem Bahnhof ist – was die Reisenden angeht – kaum etwas los. Dafür bahntechnisch umso mehr. Zwei frisch lackierte Schlafwagen der russischen Eisenbahnen (Zuglaufschild: Калинингад-Берлин, also Kaliningrad-Berlin) wurden dem restlichen Zug, der aus zwei polnischen Wagen und einer etwa fünfteiligen Rheingold-Garnitur (!) besteht, voran gekoppelt.

Wir zuckeln jetzt im Superschneckentempo auf der alten Ostbahn gen Westen.

Auf der Ostbahn brausten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Schnellzüge von Königsberg Hauptbahnhof nach Berlin-Ostbahnhof und brauchten dafür etwa sechs Stunden. Ich tippe, dass die Schlafkurswagen aus Kaliningrad nicht weniger als zwölf Stunden unterwegs sind.*

Es ist total stickig in dem Zug. Immerhin lassen sich die Fenster öffnen.

* Nachtrag am 15. Juli 2010, 16 Uhr: Der einzige durchgehende Zug von Kaliningrad nach Berlin ist der Zug, mit dem ich gefahren bin. Er verlässt Kaliningrad Hauptbahnhof (Калининград-Пассажирский) um 18.23 Uhr (russischer Zeit) und kommt in Berlin-Lichtenberg an um 7.12 Uhr. Braucht also 14 Stunden und 49 Minuten.