30. Oktober 2010, 11.42 Uhr

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Eben auf Twitter gelesen: Ab 2011 wird es keine neuen PostScript-Schriften mehr geben.

So ungefähr muss sich 1977 ein damals 152-Jähriger gefühlt haben, als die Deutsche Bundesbahn die letzte Dampflok außer Dienst gestellt hat.*

Denn 1977 endete für den 152-Jährigen eine Ära, dessen Beginn er 1835 bewusst als 10-Jähriger miterlebt hat.

Als PostScript 1984 entwickelt wurde, war ich zwar schon 18 Jahre alt, aber an den Beginn der PostScript-Ära kann ich mich umso besser erinnern. Auf einmal war im Fotosatz fast alles möglich. Schriften wurden zwar schon einige Jahre nicht mehr als Matrizen oder Schriftscheiben, sondern auf Disketten gekauft – anfangs sogar noch auf den schlabbrigen mit 8 Zoll. Die Einführung von PostScript war eine Revolution in meinem Beruf. Und alles, was PostScript ausgegeben kontte, war schweineteuer. Das glaubt einem heute kein Mensch mehr, aber für einen PostScript-fähigen Laserdrucker zahlte man 1990 noch einen fünfstelligen D-Mark-Betrag! Und ein PostScript-RIP samt Belichter stellte den Gegenwert einer mittelgroßen Eigentumswohnung dar.

OpenType finde ich ja schon seit Jahren viel besser als PostScript oder TrueType. Denn in den OpenType-Schriftschnitten sind immer auch osteuropäische Sonderzeichen (besipielsweise ą, ł oder ř) und das komplette kyrillische Alphabet mit dabei. Für nur wenig mehr Geld. Von daher begrüße ich den Schnitt, den FontShop ziehen wird.

An das Ende »meiner« Dampflokzeit 1975 kann ich mich auch noch gut erinnern. Damals war ich neun Jahre alt und vom Küchenfenster der Wohnung meiner Oma konnte ich am Horizont plötzlich keine dicken Rauchschwaden hinter einer Baureihe 23 mehr sehen.