10. Januar 2011, 15.44 Uhr

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Wenn das keine Geschichtsklitterung ist, dann weiß ich auch nicht. An den Schriftzug »Berlin – Stadt des Friedens« habe ich mich schon gewöhnt. Den sehe ich inzwischen eher als skurriles Relikt aus DDR-Zeiten. Wenn Berlin eines war in den letzten Jahrhunderten, dann bestimmt keine »Stadt des Friedens«.

Jetzt hängt aber seit ein paar Tagen darüber noch der Schriftzug »Nikolaiviertel – 1237«. Ähm. Hallo? Gibt es in dieser Stadt auch Leute, die sich mit der Geschichte Berlins und des Nikolaiviertels wenigstens ein klein bisschen auskennen? Offensichtlich wurden diese nicht gefragt, bevor dieses Schild da angebracht wurde.

1237 wird als das Gründungsjahr Berlins angesehen. 1237 gab es die erste urkundliche Erwähnung Cöllns. Nicht Berlins. Berlins erste urkundliche Erwähnung erfolgte erst ein paar Jahre später. Cölln und Berlin waren bis ins 18. Jahrhundert hinein zwei unabhängige Städte. Das heutige Nikolaiviertel steht dort, wo Berlin gegründet wurde. Bis 1987 stand dort bis auf ein paar Ruinen aber gar nichts mehr. Erst zur 750-Jahr-Feier Berlins wurde das historisierende Viertel gebaut. Gebaut. Nicht rekonstruiert. Nicht wieder aufgebaut. Neu gebaut. Und jetzt an eine Berliner Plattenbaufassade den Schriftzug »Nikolaiviertel – 1237« zu hängen, halte ich für totalen Blödsinn. Der Ort stimmt nicht. Und die Jahreszahl in Kombination mit diesen Gebäuden stimmt auch nicht.

Wenn irgendwo die Jahreszahl 1237 an einer Plattenbaufassade hängen kann, dann an einem der Gebäude auf der Fischerinsel. Dann stimmt wenigstens der Ort.