28. Januar 2011

Bis heute war ich auch noch nicht in dem Dokumentationszentrum unter dem Holocaust-Denkmal. Zu lange Schlangen oder zu wenig Zeit hielten mich bisher von einem Besuch ab. Heute keine Schlange.

16.21 Uhr:

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»Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.«

16.22 Uhr:

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»Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisen begann die staatliche Verfolgung politischer Gegner und der Juden in Deutschland. Antisemitismus war erstmals Bestandteil der Regierungspolitik eines modernen Staates. Juden wurden zu Fremden gemacht, die Verfolgung schrittweise verschärft. Dabei griffen staatliche Verordnungen, Gewalttaten von Anhängern des Regimes und die Hetze der nationalsozialisten Presse ineinander. Die rechtliche Gleichstellung der Juden wurde schrittweise aufgehoben. Nach dem Erlass der ›Nürnberger Gesetze‹ im Jahr 1935 waren unter anderem Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Auch die deutschen Sinti und Roma wurden als Zigeuner durch die Gesetze entrechtet und diskriminiert. Zugleich erzwangen die Machthaber das Ausscheiden von Juden aus der gewerblichen Wirtschaft. Auf diese Weise sollte schon ab 1933, verstärkt aber seit 1937 ein Druck zur Auswanderung erzeugt werden.«

16.32 Uhr:

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»31. Juli 1942

Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. Ich habe solche Angst vor dem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebend in die Grube geworfen. Auf Wiedersehen für immer. Ich küsse dich innigst.

Deine J.

Nachschrift der zwölfjährigen Judith Wischnjatskaja unter den Brief ihrer Mutter Slata an den Vater; gefunden von einem sowjetischen Soldaten in Byten nahe Baranowicze in Ostpolen (heute Weißrussland). In Byten wurden über 1.900 Juden von deutschen Einheiten erschossen. Abschrift in Russisch, das Original ist verschollen.«

16.34 Uhr:

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16.40 Uhr:

Meine Psyche erträgt das heute nicht. Ich muss das Informationszentrum unter Tage verlassen. Dann doch mal im Frühjahr oder Sommer Schlange stehen.