8. April 2011, 18.45 Uhr

Jetzt rausche ich schon seit fast zwei Stunden durch Westfalen. Hier ist noch viel mehr Frühling als bei uns in Berlin. Keine zaghaften hellgrünen Blättchen mehr, sondern schon richtige grüne Blätter an den Bäumen. Ganz viel blüht. Und dann die Landschaft! Platt. Wiesen. Mag ich ja. Mir tut es jetzt schon Leid, dass ich mein Fahrrad nicht mitgenommen habe.

Mein Bonner Gastgeber Alex hat sein Mountainbike (von dem ich bis vor wenigen Tagen dachte, dass es quasi mit seinem Halter verwachsen sei), im vergangenen Herbst verkauft. Also keine gemeinsame Stadterkundung auf dem Rad. Vermutlich ist Bonn eh so klein, dass man mit dreimal forschem Durchmarschieren einmal alle Straßen abgelaufen hat. Aber das wollte ich gar nicht schreiben.

Ich leide in diesem Zug. Nicht nur wegen des fehlenden Kaffees, sondern darunter, dass ich rausschauen muss, draußen tolle radfahrtaugliche Landschaften an mir vorbeiziehen muss und ich mich nicht bewegen darf. Ich fühle mich wie ein eingesperrtes Rennpferd. (Dazu fällt mir Pedro Almodóvar ein. In »Mein blühendes Geheimins« sagt die Mutter der Protagonistin, ihre Tochter sei wie eine Kuh ohne Glocke. Aber auch das ist eine ganz andere Geschichte.)

Ich platze im Moment fast vor Bewegungslust. Dieser Frühling! Dieses Licht! Diese Sonne! Diese Temperaturen! Am liebsten würde ich gerade die gesamte Strecke mit dem Rad abfahren.

Eins ist klar: Wenn es die nächtlichen Temperaturen erlauben (sprich: sie nicht mehr unter zehn Grad sinken), sitze ich auf meinem Fahrrad und bin auf Tour. Schrieb ich das schon? Stimmt. Schrieb ich schon. Es musste jetzt trotzdem noch einmal raus.