18. Juni 2014, 23.20 Uhr

In meinen Zug bin ich am Bahnhof Warszawa Centralna eingestiegen. Kurz danach hält er noch einmal in Warschau, am Bahnhof Warszawa Zachodnia. Der Typ, der dort mit seinem Rad eingestiegen war, kam mir bekannt vor. Ich dachte, ich hätte ihn am Samstag auf der Parada Równości gesehen. Gleichzeitig dachte ich auch, Achim Bodewig, du spinnst. Das kann nicht sein. Wobei mich mein extrem gutes Gesichtergedächtnis selten täuscht.

Ich komme aus dem Zugrestaurant zurück an meinen Platz. Dieser Typ mit dem zweiten Fahrrad sitzt schon seit Warschau im selben Großraumwagen wie ich, zwei Reihen vor mir. Ich spreche ihn auf Deutsch an. Ich denke, er muss Deutscher sein. Mit seinem Hipsterfahrrad. Und überhaupt. Mit einem Fahrrad im Zug.

»Hat der Schaffner dich auch angemacht wegen deines Rades?«

»Sorry, I don’t speak German.«

Okay, dann auf Englisch weiter. Er wurde nicht vom Schaffner belehrt. Dafür fragt er mich, ob es sein kann, dass er mich am Freitag auf der Parade gesehen hat. Er meint, wir seien nicht weit voneinander gelaufen.

Und tatsächlich, das Beweisfoto, das mir Aron am Sonntag nach Warschau geschickt hat, zeigt, dass wir zumindest auf der Śląsko-Dąbrowski-Brücke fast nebeneinander liefen:

227a1674.jpg

Quelle: paradarownosci.eu

Dass Aron mir dieses Bild am Sonntagmorgen geschickt hat (und vor allem dass er aus diesen vielen Bildern genau das finden konnte, auf dem ich zu sehen bin), macht mich ja noch immer ganz fertig.

Adam, kennst du den Typen direkt rechts von dir? Der mit dem schwarzen T-Shirt und den kurzen grauen Haaren?