18. Juni 2014, 22.50 Uhr

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Kurz nach Grenzübertritt übernehmen die deutschen Zugbegleiter den Dienst und kontrollieren erneut die Fahrkarten. Ich sitze noch immer im Speisewagen, zeige meine BahnCard, meine Fahrkarte und die für mein Fahrrad.

»Und wo haben Sie Ihr Fahrrad?«

»Im ersten Waggon, gleich nach der Lok.«

»Da ist doch gar kein Fahrradabteil. Wo denn da?«

»Ich weiß. Direkt hinter der Lok, im Eingangsbereich.«

»Das geht aber nicht.«

»Aber irgendwo musste ich mein Fahrrad ja abstellen.«

»Das geht aber nicht.«

»Ihr polnischer Kollege in Warschau meinte, dass das geht.«

»Was meine polnischen Kollegen sagen, ist mir egal. Wenn der Zug kein Fahrradabteil hat, können Sie kein Fahrrad mitnehmen.«

»Das ist doch aber nicht meine Schuld, wenn dieser Zug kein Fahrradabteil hat. Laut Fahrplan und sogar laut aktuellem digitalen Wagenstandanzeiger in Warszawa Centralna hat der erste Wagen ein Fahrradabteil.«

»Egal. Dann müssen Sie den nächsten Zug nehmen.«

»Und die Nacht auf dem Bahnhof zubringen?«

»Vorschrift ist Vorschrift. Wenn jetzt etwas passiert und die Fluchtwege versperrt sind …«

Und so weiter und so fort.

Habe ich es nicht vor fünf Stunden prophezeit?

Immerhin wurde ich nicht auf freier Strecke mit meinem Rad ausgesetzt.