26. Mai 2016

Heute ist Fronleichnam. Selbstverständlich ist das in Polen ein Feiertag. Boże Ciało. Mir sind diese ganzen katholischen Feste und Riten ja noch sehr fremd und ein bisschen komme ich mir dabei immer vor, als würde ich einer mir unbekannten Kultur bei der Ausübung ihrer archaischen Gewohnheiten zusehen.

17.57 Uhr. Singend und Blüten verstreuend kommt die Gemeinde aus der Kirche gegenüber, der kościół świętego Antoniego Padewskiego (Kirche des heiligen Antonius von Padua), und zieht in einer Prozession durch die Straße:

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Den Zug führt ein leicht dickliche Herr in Mönchskutte an. Offenbar der Chef von dit Janze. Den sehe ich immer morgens gegen sechs Uhr die Tore zu seinem Kirchengrundstück aufschließen und abends gegen halb acht verriegeln. Ein gemütlicher älterer Herr, der mir eigentlich nicht unsympathisch erscheint. Mit ihm über Politik oder Abtreibung oder Schwulenrechte wollte ich aber nicht diskutieren müssen.

17.59 Uhr. Plötzlich stoppt alles, einer der Pfarrer eher in der Mitte des Zuges kniet auf einem – wie ich jetzt erst sehe – auf dem Bürgersteig vor meinem Haus ausgelegte Teppich und erzählt irgendwas. Mit ihm fallen alle auf die Knie:

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Was machen die da? Segnen sie das Haus? Etwa mein Haus? Das Haus, in dem mindestens ein Ungläubiger lebt? Einer, der Unzucht treibt?

Wie gesagt: mir ist das alles sehr fremd.

Ein paar Minuten später zieht die Karawane weiter, um das Auf-die-Knie-Fallen am Nachbargebäude und anschließend an einer Nepumuk-Statue noch ein paar Meter weiter zu wiederholen.