8. Janaur 2017, 20.52 Uhr

Als schon in den Achtzigerjahren in Berlin Lebender erinnere ich mich dunkel, dass es das dort auch oft gab. Smogalarm wegen Wetter und vor allem wegen Kohlenabgasen.

Heute Morgen gab es Höchstwerte in Warschau:

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Vor allem die Feinstaubbelastung ist extrem hoch. Um mehr als das Achtfache über dem Grenzwert.

Körperliche Aktivitäten – gleich welcher Art – im Freien sollten auf ein Minimum reduziert werden. Menschen mit Atemwegsproblemen sollten heute gar nicht aus dem Haus gehen.

Wer mich schon einmal besucht hat, weiß, dass ich gerne davon erzähle: Kohlenstaub, der sich selbst im Sommer in der Wohnung niederlegt.

In Warschau gibt es – zumindest im Zentrum – keine privaten Heizanlagen. Das übernehmen die zwei Kraftwerke im Norden und im Süden der Stadt (Żerań und Siekierki). Die werden mit Steinkohle befeuert. Dazu kommt noch, dass die Warschauer sozusagen sozialistisch mit Heizwärme umgehen. Jedes Treppenhaus, das ich kenne, wird mit einem nicht regulierbaren (und komplett heißen) Heizkörper beheizt. Dafür wird dann gerne mal ein Fenster im Treppenhaus stundenlang gekippt. Ich kann das immer kaum aushalten, wenn ich das sehe. Weil ich weiß, wo diese verschwendete Wärme herkommt. Wohnungen, die ich kenne (also auch meine) haben keine Wärmeverdunster den Heizkörpern. Man wird also nur sehr indirekt dafür bestraft, wenn man heizt und gleichzeitig die Fenster gekippt hat. Soweit ich weiß, werden Heizkosten immer nur für ganze Gebäude und dann auf Wohnfläche übertragen abgerechnet.

Außerhalb der Stadt heizen Menschen, die nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen sind, oft mit minderwertigen Brennstoffen, oft wird auch der Hausmüll in den eigenen Öfen verbrannt. Soweit ich weiß, wird das nicht bestraft.

Besonders absurd ist die Situation jetzt am Wochenende, weil erst vor wenigen Wochen die PiS-Regierung die Förderung von Windenergie massiv heruntergefahren hat, um die Steinkohleförderung im Land zu stärken. Die etwa zehntausend Kumpel in Schlesien sind mit ihren Familien natürlich eine große Wählergruppe für die PiS. Hier sind noch Kämpfe mit der Kohlelobby auszutragen, wie sie Deutschland schon zwanzig Jahre hinter sich hat.

Den Vogel hat aber ausgerechnet der Gesundheitsminister Konstanty Radziwiłł (selbst Arzt) abgeschossen, der vor ein paar Tagen meinte, die Luftverschmutzung in Polen sei ein »theoretisches Problem«, es würden ja auch Menschen rauchen.

Diese »Argumente« von hochrangigen Politikern der aktuellen Regierung lassen mich immer wieder völlig fassungslos den Kopf schütteln.