Abschied

Trauer

1. Dezember 2011, 18 Uhr

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Foto vom 14. Februar 2009: Christa Wolf signiert mir eines ihrer Bücher

Christa Wolf ist tot. Meine Heldin. Ich bin total traurig.

Erst heute früh um sieben Uhr habe ich an sie gedacht. Ich las einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über den schiefen Kirchturm von Bad Frankenhausen, hatte die Idee, dorthin zum nächsten Geburtstag von Christa Wolf zu fahren. Christa Wolf besuchte in dem Ort die Schule und hat dort ihr Abitur gemacht. Ich dachte noch, hoffentlich wird sie diesen nächsten Geburtstag auch erleben.

Ausblicke

»Gegenüber geht die Ramme«

3. November 2011, 10.56 Uhr

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»Gegenüber geht die Ramme« oder: Geburtstagsgruß an Jana S.

Auftritte

Alles Gute, Frau Wolf!

18. März 2011, 14.43 Uhr

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»Lebt der Gedanke, einmal in der Welt, in einem andern fort?«

Christa Wolf: »Kassandra – Vier Vorlesungen, Eine Erzählung«
Aufbau Verlag Berlin und Weimar
S. 212, ungekürzte Fassung, 8. Auflage, 1990

Auf dem Foto: Foto von Christa Wolf an ihrem Schreibtisch über meinem Schreibtisch.

Zitat freundlicherweise ausgesucht und auf elektronischem Wege zugesandt von Prof. lit. h.c. A. N.

Auftritte

Herzlichen Glückwunsch, Frau Wolf

6. Juli 2010, 22.15 Uhr

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Foto vom 14. Februar 2009: Christa Wolf signiert mir eines ihrer Bücher

Wie ich gerade – inmitten von WM-Gekreische – bei Wikipedia lese, hat Christa Wolf heute den Thomas Mann Preis bekommen. Herzlichen Glückwunsch, Frau Wolf!

P.S. Warum man einen Literaturpreis falsch, also ohne Durchkoppelung, schreibt, erschließt sich mir auch nicht.

P.P.S. Eindeutig niederländisch dominiertes Publikum heute im Mandarynka.

Auftritte

Christa Wolf in den Tagesthemen

17. Juni 2010, 22.45 Uhr


Ausblicke

Guten Morgen, meine Schöne

18. März 2010, 10.24 Uhr

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Berlin scheint mich auch zu lieben. Oder warum dieser Himmel? Warum diese Temperatur?

Vor genau einem Jahr war ich mit Aron bei ebenfalls bestem Wetter in Landsberg an der Warthe. Vielleicht ist Christa Wolfs Geburtstag auch der verlässliche Beginn des Berliner Frühlings.

Ausblicke

Nachtasylgeberfürsorge

14. November 2009, 11.35 Uhr

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Jetzt erst entdeckt: »Mach’s dir bunt und genieß die Aussicht«. Dazu Nervennahrung sowie Lesestoff von Frau Wolf. Süß, oder?

Ausblicke

Niemand hat die Absicht, die Mauer einzureißen

9. November 2009, 17.25 Uhr

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Total ekelhaftes Wetter, total viel internationale Presse, total viele Touristen. Die »Mauer« heute zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor. An ziemlich genau dieser Stelle (plus etwa 300 Meter weiter südwestlich) und zu etwa dieser Zeit (plus zirka zwei Stunden) kam mir vor zwanzig Jahren irgendwas komisch vor in der Stadt. Dort standen Fernsehteams mit Scheinwerfern an der Mauer. Ich war mit dem Auto auf dem Weg von Kreuzberg ins Renaissance-Theater, wo ich – passender geht es fast nicht – »Kassandra« nach Christa Wolf ansah. Zwei oder drei Stunden später – nach der Vorstellung – waren für meinen Geschmack etwas zu viele Trabis und Wartburgs auf West-Berliner Straßen unterwegs. Autoradio an. Dann war klar, dass das Unvorstellbare geschehen war.

Antiquitäten

Geschichte wird gemacht, es geht voran

4. November 2009, 14 Uhr

Jetzt vor exakt zwanzig Jahren bin ich mit zwei Freunden aus dem Osten und einer Million anderer Menschen durch Berlin, Hauptstadt der DDR, marschiert.

Ein halbes Jahr später saß ich mit zwei anderen Freunden aus Ost-Berlin im Auto und habe mit ihnen und D-Mark in der Tasche fünf ehemalige Ostblockstaaten durchquert. Einer dieser Staaten ist jetzt zwei, ein anderer sieben Staaten, drei Staaten existieren nicht mehr, sechs der teilweise neu gegründeten Staaten sind inzwischen Mitglieder der EU.

Abgefahren, was vor zwanzig Jahren alles passierte. Man steckt mittendrin und begreift erst im Rückblick so richtig, in was für unglaublichen Umwälzungen Europa damals war.

Ausflüge

Total tote Hose

31. Oktober 2009, 21 Uhr

Samstagabend, Touristenort, man sollte meinen, es sei die Hölle los. Mitnichten. Im Ortszentrum ist fast alles dunkel. In einem Restaurant wurde ich gebeten, nach nebenan zu gehen. Entweder hatten die sehr kleine geschlossene Gesellschaft oder keine Lust. Im Nachbarrestaurant bin ich der einzige Gast. Sehr rustkal hier drin. Einschließlich der bulgarischen Schlager. Ich find’s aber in Ordnung. Mit der Musik. Und die Karte zumindest sah gut aus. Heute wieder Schopska-Salat. Bei dem muss ich immer an Christa Wolf denken.

Der aus dem Edelrestaurant in Sofia vom Mittwoch ist bisher übrigens unerreicht. Da kommt er schon. Ich hab total Hunger!

Ausblicke, Ausflüge

Wie kann man nur so fett sein?

31. Oktober 2009, 9.30 Uhr

Bansko, Hotel Premier, Frühstückssaal. Von meinem Tisch habe ich einen perfekten Blick über die anwesende Hotelgesellschaft. Unter ihnen zwei Männer, bei denen ich mich frage, wie man so fett werden kann. Die beiden haben nichts miteinander zu tun. Gemeinsam ist ihnen aber ihre jeweils auffällig schlanke weibliche Begleitung. Der eine stopft sich ohne Unterlass Essen in den Mund. Wirklich ohne Unterlass. Der andere hat mich eben am Büffet mit seinem eh schon total vollgepackten Teller derartig rüpelig beiseite geschubst, weil er offenbar Angst hatte, dass ich ihm etwas wegnehmen könnte. Essen ist nun weiß Gott genug hier.

“Allmählich entsetzt man sich, wie Menschen leben” in Abwandlung von Frau Wolf kommt mir in den Sinn.

Ausblicke

Schopska-Salat und andere Köstlichkeiten

28. Oktober 2009

Kennt jemand von meinen westsozialisierten LeserInnen Schopska-Salat? Mir ist dieser Salat erst durch Christa Wolf vorgestellt worden (»… einzig der Schopska-Salat überzeugte …«). Heute hab ich meinen ersten gegessen.

14.07 Uhr. Blick aus dem Restaurant Grozd (Гесторант Грозд) auf Rote-Armee-Denkmal und Witoschagebirge:

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14.11 Uhr. Ganz köstlicher Schopska-Salat:

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14.18 Uhr. Scheiß aufs Vegetariertum. Die Spezialität des Hauses forderte ganz viele schon längst vergessene Geschmacksknospen heraus:

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Ausdauer

Laufen

27. September 2009, 16 Uhr

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8,90 km in 58 min 25 sec gleich 9,14 km/h und (laut TrailRunner) 314 verbrannte kCal.

Um den Reichstag herum gab es die versammelte Journallie der Republik und der halben Welt.

Passend zum heutigen 27. September hörte ich – wie immer zum Joggen – Christa Wolfs »Ein Tag im Jahr«. Es ist der 27. September, den sie dort beschreibt. 1998 gab es auch schon eine Bundestagswahl am 27. September. Damals wurde Rot-Grün gewählt. Hach, was waren das noch für hoffnungsvolle Zeiten!

Ich geh jetzt gleich auch mal noch meine zwei Kreuze machen.

Ausflüge

Leute gibt’s

25. August 2009. 21 Uhr

Auf dem Weg zurück nach Berlin. Bis Züssow fuhr ich mit der UBB. Jetzt bin ich in einen Regionalexpress aus Stralsund umgestiegen. Ich würde von mir behaupten, ein umsichtiger und rücksichtsvoller Mensch zu sein. Zumindest ein umsichtiger und rücksichtsvoller Bahnfahrer. Als dieser habe ich eben mein Rad im Zug im Zugabteil direkt neben ein anderes Rad gestellt. Dabei selbstredend darauf geachtet, dass mein Rad weder den Weg versperrt noch das andere Rad beschädigt. Kommt der Besitzer des anderen Rades an. Typ kurz behoster, besturzhelmter und Stoffbeutel tragender Sandalenträger. Etwa mein Alter. Schmale Lippen. Verbissener Gesichtsausdruck. Seine Stulle mampfend – also mit vollem Mund – verlangt er von mir, dass ich meine Satteltaschen vom Fahrrad nehme. Ich frage, warum. Es sei genug Platz. Und ich werde sie schon wegmachen, wenn noch Einer mit Fahrrad käme. Aber meine Satteltaschen drückten an seine Speichen. Ich: Entschuldigung, mein Fahrrad lehnt da nur ganz locker gegen. Außerdem sind in den Taschen Klamotten drin. Er bestehe aber drauf, dass ich meine Tasche zumindest auf einer Seite abmache. Er weiter seine Stulle mampfend. Ich: Sie können sich jetzt wieder setzen, ich mach die Taschen ab. Blieb der doch tatsächlich wie so ein Aufpasser stehen, bis ich meine Taschen abgemacht hab. Mit schlecht gelauntem Gesicht. Bestimmt ein SPD wählender Lehrer, der schon zu lange keinen Sex hatte und auch sonst wenig Freude am Leben hat.

Nachtrag: Jetzt hat er – ich hab ihn leider schräg gegenüber im Blickfeld – seine Sandalen ausgezogen, hat seine käsigen Füße samt fast unbehaarter blasser Beine auf den Sitz gegenüber gelegt und popelt sich genüsslich in den Ohren und krümelt seinen Ohrenschmalz auf den Boden. Super.

Mir kommt mal wieder Christa Wolf in den Sinn. “Allmählich entsetzt man sich, wie Leute leben.” Im Original schreibt sie, “wie Leute wohnen”. Das Entsetzen bleibt.

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Aha

John Irving ist toll

25. August 2009, 14 Uhr

Am Sonntag habe ich vergessen, ein Buch einzupacken (ich vergesse immer etwas einzupacken). Ich habe tatsächlich noch zwei Bücher von Christa Wolf in meinen Bücherregalen, die ich noch nicht gelesen habe. Gestern Morgen war ich deshalb in Ahlbeck in der vermutlich einzigen örtlichen Buchhandlung. In Buchhandlungen bin ich immer etwas ratlos, wenn ich keinen konkreten Plan habe, was ich kaufen soll. Viele Mankells. (Schreibt man den so? Wahrscheinlich Krimiautor. Lese ich nie.) Dann entdeckte ich Inge Jens. Und Monika Maron. Schließlich John Irvings “Bis ich dich finde”. Es gibt auch Bücher von John Irving, die ich noch nicht gelesen habe. Die stehen allerdings nicht bei mir zu Hause in den Regalen.

Jetzt lese ich also seit gestern mal wieder John Irving. Wie immer total verworren zu Beginn. Drei Millionen Figuren werden vorgestellt. Und ich ahne, dass sie mir “Jahre” später wieder begegnen werden. Ich freue mich schon.

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